Kate Bellm träumt in Farbe: Nicht eine rosarote, sondern eine Regenbogenbrille hat die 24-jährige Fotografin für ihre aktuelle Ausstellung „Technicolor Dreaming“ in der Berliner Dependance von Moeller Fine Art aufgesetzt. Kate Bellms Motive bewegen sich im Übergang zwischen Wirklichkeit und Traum, um unentschlossen mal der einen Seite, dann wieder der anderen zugeneigt zu sein. Träumerische Szenarien, Fashion-Arrangements, Alltagsaufnahmen und Skateboardansichten werden dafür in verschiedensten Techniken über die Realität hinaus mit einer bunten Leuchtkraft versehen, die in 50 Inkjet-Prints spielerisch ihre Umgebung einfangen. In ihrer ersten Soloshow bei Moeller Fine Art führen die drei ausgewählte Serien noch bis zum 27. Oktober in das Werk der jungen Künstlerin ein.

Wie auch ihre übrigen Fotografien erzählen die ausgewählten Serien “Topheads Paint Bombing,” “Technicolor Dreams“ und “Worldwide Wrongs“ von der Vielfalt des Lebens und dem Reichtum der Fantasie der Künstlerin, deren Werke bereits in Magazinen wie Esquire, l’Officiel, Vice, The Herald Tribune, Interview, Sunday Times Style, Wonderland, Desillusion, I Love You und Lurve Magazine erschienen sind. Einflüsse aus Fashion, Skateboarding und ihren zahlreichen Reisen dienen den aktuellen Arbeiten dabei als Inspiration, um die Serien auf verschiedene Weisen in Farbfilmträume zu verwandeln: Halfpipes, Bretter und ihre Fahrer aus dem „Topheads“-Kollektiv werden unter Farbwolken in der Serie „Topheads Paints Bombing“ unscharf; das Pulver verklärt die Konturen der Wirklichkeit.


Am anderen Ende der Galerie kreiert Kate Bellm wiederum mit der titelgebenden Reihe „Technicolor Dreams“, auch bekannt als „Acid Landscapes“, surreale Ansichten von traumartigen Landschaften und mystisch-märchenhafte Porträts, für die sie eine spezielle Linse aus einer mit farbiger Aluminiumfolie überzogenen Perspex-Acrylglasplatte entwickelt hat. 15 Fotografien, deren Effekt die gesättigten Farben alter Technicolor-Fotografien assoziieren, erschaffen so unwirkliche Farbwelten aus Deia, Tulum oder Berlin.

Zwischen ihnen in der Ausstellung angesiedelt, sind die 20 Fotografien aus „Worldwide Wrongs“. In Petersburger Hängung scheinen die Arbeiten willkürlich arrangiert, geben die Realität in ihrem dynamischen Wechselspiel aus Farben und Motiven jedoch am unverstelltesten wieder – nicht aber etwa in einer Überblicksansicht, sondern in den Details. Teils inszeniert, teils wie Momentausnahmen, positioniert Kate Bellm hier Menschen, denen sie auf ihren Reisen durch die USA, durch Vietnam, Mexiko, aber auch Berlin begegnet ist. Menschen oder nur Münder, Wände und Mauern, Schriften und Tags – was in der klaren Bildersprache nahezu dokumentarisch agieren könnte, wird erst durch die Nahaufnahme, durch Bellms Blick für das Ungewöhnliche im Gewöhnlichen zu fesselnden Kunstobjekten, mit denen die Künstlerin die Besucher auf ihre Reise durch die Welt mitnimmt.


Steht die Wahlberliner Künstlerin aus London in der deutschen Hauptstadt längst für eine ganze eigene, neue Kunst-Bohème, bieten die Räumlichkeiten der Galerie einen spannungsreichen Gegenpol, der am Tempelhofer Ufer in Kreuzberg mit seiner überraschend prunkvollen Innenarchitektur an einen längst vergangenen Glanz erinnert. Gegenwart, jugendlicher Übermut und das Leben in all seinen kräftigsten Farben treffen hier auf Vergangenheit, auf Geschichten weit zurückliegender Jahrzehnte, von denen die architektonische Pracht noch heute erzählt; dazwischen das Verschwommene, nicht Greifbare, die Imagination. Die Fantasie regen sie jedoch beide an: traumartige Szenarien auf den Fotografien von Kate Bellm sowie die vagen Versprechungen einer glanzvollen Geschichte durch die Ausstellungsarchitektur.

Kate Bellm: „Technicolor Dreaming“, 15. September bis 27. Oktober 2012, Moeller Fine Art Berlin.
Text: Teresa Köster
Bilder: Teresa Köster Copyright: Kate Bellm / Moeller Fine Art, Berlin