Eine andere Revolution

Wenn man sich den Trailer von „Wer wenn nicht wir“ anschaut, muss man denken, dass es nun einen weiteren Film über den deutschen Terrorismus der späten 1960er/frühen 1970er Jahre gibt, mit all den bekannten Ereignissen, der Wut, dem Aufruf zur Gewalt und dem unvermeidlichen Scheitern von Baader-Meinhoff. Doch ein solcher Film liefe nicht auf der [...]
Filmförderung für Afrika | WCF

In Europa und besonders in Deutschland gibt es eine sehr ausgeprägte Filmförderung. Doch wie sieht es anderswo in der Welt aus? Woher nimmt ein Filmemacher aus Zentralafrika oder dem nahen Osten Geld für seine Produktion? 2004 wurde zur Förderung des Kinos in global benachteiligten Regionen der World Cinema Fund (WCF) eingerichtet. Auf der Berlinale wurde [...]
The Future | Zerbrechlich wie das Leben

Miranda July ist die spannendste Frau, die mir bisher auf der Berlinale begegnet ist. Nicht nur auf der Berlinale. Sie hat ein blasses, schmales Gesicht und wirkt zerbrechlich, dabei schön wie Porzellan. „My lady, like a teacup on the counter frail, pleasing everyone”, heißt es in einem Song von Iron & Wine, bei dem ich [...]
Ein Tag in Tschernobyl

„Es ist ein ganz normaler Samstag”, sagen die Funktionäre, als sie bereits wissen, dass der Reaktor explodiert ist. Ein Samstag, an dem keiner darüber beunruhigt sein sollte, vielleicht verstrahlt zu werden. Vor allem nicht die Sovietführung in Moskau. Regisseur Alexander Mindadzes „V Subbotu“ („Innocent Saturday“) hatte im Wettbewerbsprogramm der Berlinale gestern seine Premiere. Der Film [...]
3D | Ein neues Kino

Der dritte Wettbewerbstag war den 3D-Filmen gewidmet: Den Auftakt machte der Animationsfilm „Les contes de la nuit“, gefolgt von Wim Wenders’ viel antizipierten Tanzfilm „PINA“, der sich mit seiner ganzen Seele der großen Vision der Choreographin Pina Bausch verschrieben hat. Ein Vergleich dieser beiden Produktionen soll deutlich machen, wie es um die (zu recht?) gehypte [...]
Ohne Machete durch den Dschungel

Einer der wenigen Filme, die die Berlinale zeigt, obwohl sie bereits beim Sundance Festival liefen, ist Kevin Macdonalds „Life in a day“. Das mag vielleicht damit zusammenhängen, dass man in Berlin gerne zukunftsweisend denkt und offen ist für neue Technologien und Medien, immer auf der Suche nach bahnbrechenden aktuellen erzählerischen Formaten des Kinos. „Life in [...]
Margin Call | Traum oder Erwachen?

Der erste offizielle Wettbewerbsfilm, der auf der Berlinale gezeigt wurde, war bereits ein Paukenschlag. JC Chandors „Margin Call“ ist ein Film über den Meltdown des Finanzsystems vor zweieinhalb Jahren, der es in beeindruckender Weise schafft, ein Ereignis von hoher Komplexität mit ausgeklügelten Erzähltechniken des Films zu vermitteln. War es ein Traum oder eher das böse [...]
El Premio | Der Wind Argentiniens

Auch der zweite Wettbewerbsfilm „El Premio“, der auf der Berlinale seine Weltpremiere feiert, erfüllt die höchsten Erwartungen. Es ist der erste Spielfilm für Paula Markovitch als Regisseurin. Der Film ist ein sehr persönlicher und autobiografischer geworden. Er spielt San Clemente del Tuyú, einer Kleinstadt an der Ostküste Argentiniens, unweit von Buenos Aires. Dorthin kam Markovitch [...]
Solidarität als Programm

Neben Schwarz-Weiß-Rot sind auch Grün-Weiß-Rot die Farben des Tages. Aus Anlass der Inhaftierung des iranischen Regisseurs und diesjährigen Jurymitglieds Jafar Panahi zeigen die Berliner Festspiele dessen Film „Offside“ als Sondervorführung im Wettbewerbsprogramm. Er gewann 2006 bereits einen Silbernen Bären und macht die repressiven Dogmen des Landes und deren Umsetzung im täglichen Leben am Beispiel eines [...]
Eröffnungsgala | True Grit

Es ist das Medienspektakel der beginnenden Berlinale: Ethan und Joel Coen, zwei der derzeit erfolgreichsten Regisseure weltweit, stellen bei der Eröffnungsgala ihren Film „True Grit“ vor, der nicht nur eine ganze Plethora von bitter-ironischen Sprüchen für die Performance des „Dude“ Jeff Bridges bereithält; er hat außerdem in seinem Herzen ein Mädchen von zarten 14 Jahren, [...]
Das Schwurgericht der Berlinale 2011

Dafür, dass von den 16 im Wettbewerb laufenden Filmen auch die gefunden werden, welche den Goldenen oder einen der vielen Silbernen Bären verdienen, ist auf der Berlinale eine betont internationale Jury zuständig. Angeführt wird sie diesmal von Isabella Rossellini, Tochter von Roberto Rossellini und Ingrid Bergman und Nachtclubsängerin in David Lynchs „Blue Velvet“. Sie hat [...]
Berlinale | Einundsechzig

Am Donnerstag beginnen die 61. Internationalen Filmfestspiele Berlin. Das Jahr nach dem großen runden Geburtstag der Berlinale 2010 soll ein ruhiges werden. Einen Riesenauflauf der Megastars wird es so wenig geben wie Filme, die der normale Kinogänger allein wegen der Besetzung sehen möchte. Festivaldirektor Dieter Kosslick freut sich schalkhaft wie üblich, dass es dieses Jahr [...]
Berlinale | Ein Résumé

Am Samstagmittag, d.h. bevor am Abend die Preisträger der 60. Berlinale bekannt gegeben wurden, gab es die Gelegenheit sich noch einmal einen Überblick über die Kandidaten und ihre Chancen zu verschaffen: das Stimmungsbarometer der Kritiker-Kollegen mit den diversen Rankings von Tagesspiegel bis Cargo und internationalen Fachzeitschriften abgleichen; Spekulationen über mögliche Präferenzen des Juryvorsitzenden Werner Herzog [...]
Berlinale | Berlinale-Kamera für Yamada Yoji

Yamada Yoji wurde auf der überaus trostlosen Abschlussveranstaltung der 60. Berlinale mit einer „Berlinale-Kamera“ ausgezeichnet. Er ist bei uns auch hauptsächlich durch seine lakonische, beeindruckende und vielfach preisgekrönte Spätsamurai Trilogie bekannt, deren einzelne Teile in unterschiedlichen Sektionen der Berlinale ihre Premiere oder Europapremiere hatten. Yamada ist ein Altmeister, denn er hat über 80 Filme realisiert [...]
Berlinale | Mini-Retrospektive Shimazu Yasujiro

Es hat schon Tradition, dass in der Sektion Forum der Berlinale kleine Retrospektiven mit neu restaurierten und untertitelten Fassungen klassischer japanischer Regisseure stattfinden, von denen bestenfalls Spezialisten schon mal gehört haben. Dieses Jahr war dies der Vorkriegsklassiker Shimazu Yasujiro, dessen Werke lange Zeit zum größten Teil als verloren galten. Drei seiner Filme zeigt in dieser [...]
Berlinale | „Plein Sud“

In Sébastien Lifshitz „Plein Sud“ (Going South) ist die Hauptfigur Sam mit einem alten schrottigen Ford Richtung Süden unterwegs. Er will seine Mutter besuchen, von der er seit Jahren zum ersten Mal wieder gehört hat. Man weiß nicht genau, was er von ihr will, aber die Pistole im Handschuhfach ist wohl nicht zur Selbstverteidigung gedacht. [...]
Berlinale | „The Kids Are All Right“
Ich habe mich in den letzten Jahren immer mal wieder gefragt, was aus Lisa Cholodenko geworden ist. Seit ihrem letzten Film, dem genialen „Laurel Canyon“, sind mittlerweile sieben Jahre vergangen. Und nun stand sie plötzlich auf der Liste der Wettbewerbsfilme der diesjährigen Berlinale. Außerdem war zu hören, dass der Film beim Sundance Festival für euphorische [...]
Berlinale | „I’m Here“

Eine der beliebtesten Metaphern für die Trostlosigkeit und Melancholie des Alltags ist der Blick aus dem Fenster eines fahrenden Busses zum Beispiel. Doch anders als in unserer Welt sitzt in Spike Jonzes Kurzfilm „I’m Here – A Lovestory in an Absolut World“ ein Roboter dort – mit einem Kopf, der aussieht wie der Rechner eines [...]
Berlinale | Running Men

Es gibt ganz klar zwei Trends auf der diesjährigen Berlinale auszumachen: Erstens ein sehr starkes amerikanisches Independent-Kino. Mit „Putty Hill“ von Matt Porterfield und „Winter’s Bone“ von Debra Granik schwergewichtig und ernst im Forum, „Greenberg“ von Noah Baumbach und vor allem mit „The Kids Are All Right“ von Lisa Cholodenko leichtfüßig, hochintelligent und komisch im [...]
Berlinale | „L’arbre et la forêt“

„Word Is Out“ von Rob Epstein und der Mariposa Film Group erzählt viel darüber, wie Schwule und Lesben heterosexuelle Beziehungen eingingen, bevor sie sich zu ihrer Sexualität offen bekennen konnten. Um der Repression zu entgehen, damit die Familie Ruhe gibt oder um sich selber vorzumachen, dass sie „normal“ seien. Beziehungen, die meist für alle Beteiligten [...]
Berlinale | Die Fremde
Bereits vor der Berlinale gab es für die Presse die Möglichkeit, den neuen Film „Die Fremde“ mit Sibel Kekilli („Gegen die Wand“, „Kebab Connection“) in der Hauptrolle zu sehen. Das Regiedebut von Feo Aladag behandelt das heikle Thema Ehrenmord in einer deutsch-türkischen Familie. Wie anrührend und herzzerreißend ihr die filmische Umsetzung gelang, bewiesen nicht zuletzt [...]




