DAN LE SAC Vs SCROOBIUS PIP
March 10, 2010

Wenn weiße englische Jungs rappen, zieht das unbritische Ohr schnell voreilige Schlüsse und wedelt freudig mit The Streets-Referenzen. Damit liegt es im Fall von Dan le Sac Vs Scroobius Pips zweitem Album “The Logic of Chance” nicht gänzlich falsch, tatsächlich erinnern die jungenhafte Stimme und der schulterzuckende Flow des Oberbartmeisters Pip an einen bessergelaunten Mike Skinner, allerdings ohne sich der Skinnerschen Ladism-Ästhetik zu bedienen oder – wimp wimp – zu tief in Eigensozialdramatik zu stochern. [Read more]
GONJASUFI | A Sufi and a Killer
March 8, 2010

Gonjasufi heißt bürgerlich Sumach Valentine, oder aber umgekehrt heißt Sumach Valentine, benannt angeblich von seinem Botanikervater nach dem Eichenblättrigen Giftsumach – Anglophilen auch als Poison Ivy bekannt – Gonjasufi, wobei zu vermuten ist, dass es sich hier in Wahrheit um niemand geringeren als das uns von Hunter S. Thompson verschwiegene Lovechild von Raoul Duke und einer lysergsäuerlichen Lucy handelt, das in Las Vegas zurückgeblieben ist, wo der 31-Jährige mit Frau und Kindern lebt. „A Sufi and a Killer” jedenfalls ist der musikgewordene Philosufismus eines Wüstenderwischs, der in den Katakomben unter den Casinos Höhlengleichnisse aufstellt, während er in die Kanalisation entlaufenen Alligatoren Hatha Yoga lehrt. [Read more]
FRIGHTENED RABBIT
March 5, 2010

Nach einem harten Winter folgt der schönste Sommer – ein Allgemeinplatz auf dem man sich auf „The Winter of Mixed Drinks“, dem dritten Album von FRIGHTENED RABBIT, wiederfindet. Harte Zeiten, harte Drinks und schlechtes Wetter: Bei uns kommt Rum in den Tee oder der Wein auf den Herd, drüben im feucht-kühlen Schottland helfen Scotch und Whisky-Longdrinks gegen frostige Finger und trübe Gedanken. [Read more]
BLOOD RED SHOES | Fire Like This
March 3, 2010

Getreu dem Motto „never change a winning team“ setzte Produzent Mike Crossey sich auch für das zweite Album der Blood Red Shoes wieder hinter die Studio-Regler. Ob es nun an seiner Produktion oder dem Lärmpotential der Band liegt: Steven Ansell and Laura-Mary Carter machen zu zweit so viel Krach wie ein Standard-Set-Up. Und wer hätte das gedacht – das zweite Album des Alterna-Indie-Rock-Duos ist, so wie seine Protagonisten, fully grown up. [Read more]
MICHAEL FAKESCH | Exchange
March 2, 2010

Über zehn Jahre lang bildeten Michael Fakesch und sein Partner Christian de Luca das Duo Funkstörung. Als „die deutschen Autechre“ wurden sie gehandelt und erlangten besonders durch ihre unzähligen Verhackstückelungs-Remixe für Künstler wie Jean Michael Jarre, Björk oder den Wu-Tang Clan Aufsehen. Nach der Auflösung des Gespanns im Jahr 2006 widmete sich der Rosenheimer Elektrozauberer Fakesch vor allem der musikalischen Untermalung von Filmen und der Soundgestaltung von Werbespots. In alter Funkstörung-Manier arbeitete er parallel natürlich auch weiterhin fleißig an den Neuabmischungen bekannter Tracks. Bei „Musik aus Strom“ sind die gesammelten Remix-Werke jetzt als Compilation mit Namen „Exchange“ erschienen. [Read more]
LONELADY | Nerve Up
February 26, 2010

So, und das wird nun wohl das neue Ding. Manchester rückt mal wieder ins Zentrum des independenten Musikinteresses. Bei all den Reminiszenzen an Joy Division, The Fall, New Wave, Madchester, Rave und anderer Haciendiana der letzten Jahre betonieren sich die Achtziger weiter als das Nichtendenwollendste aller Jahrzehnte ein. Und sind doch auch Geschichte für jemanden wie Julie Campbell, die zwar schon dreißig, aber eben noch nicht vierzigplus ist (und damit im Zwischenraum von Erinnerung und Rezeption steckt) und ihre Heimat wahrscheinlich als sich immer wieder dekonstruierendes, musikalisches Selbstzitat erlebt. [Read more]
SETH TROXLER | Boogybytes Vol. 5
February 22, 2010

„Boogybytes – it’s about score, about clubs and pubs, about personality and the things that define us…“ – mit diesen Vocals beginnt das Intro der mittlerweile fünften Edition der Boogybytes-Mix-CD. Ein schleichend-nahender Startschuss, dem ein stetiger Fluss aus House und Minimal folgt. Zum ersten Mal beauftragten die Verantwortlichen bei bpitch Control nicht einen hauseigenen Star mit der Zusammenstellung und Komposition des Label-eigenen Vorzeigeprojekts, sondern ließen den in Berlin residierenden Detroiter Seth Troxler ran, der via Boogybytes 5 ein musikalisches Bild der Stadt zeichnen wollte, in der er lebt – so, wie er sie empfindet. [Read more]
Two Door Cinema Club | Tourist History
February 19, 2010

Nach all den Jahren Popmusikgeschichte ist der Spielraum für klang- und sinnvolle Namen irgendwann ausgereizt – Two Door Cinema Club ist so ein Beispiel für einen grenzwertigen Namen. Viele würden das – vor allem im Zusammenhang mit ihren Songs, als ein weiteres Zeichen für das Ende des originalen Pop deuten.
Doch warum so fatalistisch, so ernsthaft? Pop soll Spaß machen, nicht zu einer Fleißaufgabe werden. In dieser Hinsicht machen Two Door Cinema Club auf ihrem schwindelerregenden 33-Minuten-Debüt „Tourist History“ alles richtig. [Read more]
THE SOFT PACK | The Soft Pack
February 16, 2010

Nicht ganz zu Ende gedacht hatten San Diegos Vierer The Soft Pack die ursprüngliche Namenswahl. Politisch unkorrekt, „lustig“, ignorant – eben „punk“ – fanden sie 2007 als The Muslims zusammen. Wie unüberlegt der irreführende Name war, bekamen sie nach dem Hype um ihre ersten Singles, etwa ein Jahr später in Form von rassistischen Anfeindungen zu spüren und gönnten sich zum Albumrelease den nicht minder provokativen, neuen Namen The Soft Pack (Bezeichnung für den Dummy eines erschlafften Penis’ für die Unterhose jedes Penislosen). Ob das einer intensiveren Überlegung geschuldet ist, darf angezweifelt werden: das selbstbetitelte Debütalbum legt eher eine eigene Schnellschuss-Logik nahe. [Read more]
PANTHA DU PRINCE | Black Noise
February 5, 2010

Erklingen die ersten Töne dieser Platte, möchte ich Heidegger lesen bzw. ihn das Schwarze Rauschen besprechen lassen: „Was ist Stille? Sie ist keineswegs nur das Lautlose. Darin verharrt lediglich das Reglose des Tönens und des Lautens. Aber das Reglose ist weder nur auf das Ver-lauten beschränkt als dessen Aufhebung, noch ist das Reglose selber schon das eigentlich Ruhende. Das Reglose bleibt stets gleichsam nur die Rückseite des Ruhenden. Das Reglose beruht selbst noch auf der Ruhe. Die Ruhe aber hat ihr Wesen darin, dass sie stillt. Als das Stillen der Stille ist die Ruhe, streng gedacht, stets bewegter denn ale Bewegung und immer regsamer als jede Regung.” [Read more]

