Berlinale | Ein Résumé
February 23, 2010

Am Samstagmittag, d.h. bevor am Abend die Preisträger der 60. Berlinale bekannt gegeben wurden, gab es die Gelegenheit sich noch einmal einen Überblick über die Kandidaten und ihre Chancen zu verschaffen: das Stimmungsbarometer der Kritiker-Kollegen mit den diversen Rankings von Tagesspiegel bis Cargo und internationalen Fachzeitschriften abgleichen; Spekulationen über mögliche Präferenzen des Juryvorsitzenden Werner Herzog mit der eigenen Berlinale-Erfahrung hochrechnen etc. Dann ergab sich ein relativ deutliches Bild – mit „Bal“ von Semi Kaplanoglu als klarem Favoriten, gefolgt von Heisenbergs „Räuber“ und Polanskis „Ghost Writer“. Außerdem konnte man dem russischen Beitrag „How I Ended this Summer“, dem rumänischen „If I Want to Whistle, I Whistle“ und Koji Wakamatsus wagemutigem „Catarpillar“ eine gewisse Bärenaffinität unterstellen.. [Read more]
Berlinale | Berlinale-Kamera für Yamada Yoji
February 23, 2010

Yamada Yoji wurde auf der überaus trostlosen Abschlussveranstaltung der 60. Berlinale mit einer „Berlinale-Kamera“ ausgezeichnet. Er ist bei uns auch hauptsächlich durch seine lakonische, beeindruckende und vielfach preisgekrönte Spätsamurai Trilogie bekannt, deren einzelne Teile in unterschiedlichen Sektionen der Berlinale ihre Premiere oder Europapremiere hatten. Yamada ist ein Altmeister, denn er hat über 80 Filme realisiert und die von ihm geschriebene und bis auf wenigen Ausnahmen auch von ihm selbst realisierte Serie „Toru-San“ (48 Folgen von 1969 bis 1995) ist eine der erfolgreichsten Serien der Filmgeschichte. [Read more]
Berlinale | Mini-Retrospektive Shimazu Yasujiro
February 22, 2010

Es hat schon Tradition, dass in der Sektion Forum der Berlinale kleine Retrospektiven mit neu restaurierten und untertitelten Fassungen klassischer japanischer Regisseure stattfinden, von denen bestenfalls Spezialisten schon mal gehört haben. Dieses Jahr war dies der Vorkriegsklassiker Shimazu Yasujiro, dessen Werke lange Zeit zum größten Teil als verloren galten. Drei seiner Filme zeigt in dieser Woche (23. bis 25. 2.) das Kino Arsenal. [Read more]
Berlinale | Forum wiederholt
February 22, 2010

Im Rahmen der Wiederholungen von Filmen aus dem 40. Forum des jungen Films gibt es in der Woche nach der Berlinale einige Lieblingsfilme des Festivals zu sehen („Nénette“, „Kyoto Story“ und „Putty Hill“). Grund genug auch um verpasste Filme jetzt noch stressfrei im Kino Arsenal am Potsdamer Platz „nachzuholen“. Ganz besonders gespannt bin ich auf „The Oath“ von Laura Poitras, der in der Presse sehr viel Resonanz für seine genaue Beobachtungsgabe gefunden hat und sich dokumentarisch der Geschichte Abu Jandals’ widmet. [Read more]
Berlinale | „Plein Sud“
February 20, 2010

In Sébastien Lifshitz „Plein Sud“ (Going South) ist die Hauptfigur Sam mit einem alten schrottigen Ford Richtung Süden unterwegs. Er will seine Mutter besuchen, von der er seit Jahren zum ersten Mal wieder gehört hat. Man weiß nicht genau, was er von ihr will, aber die Pistole im Handschuhfach ist wohl nicht zur Selbstverteidigung gedacht. Konsequent mit durchgehend nur zwei Gesichtsausdrücken wird Sam von Yannick Renier gespielt, der auch in dem anderen französischen Panoramabeitrag „L’arbre et la forêt“ schon überzeugt hat. Sams Erstarrtheit, die Regungslosigkeit eines klassischen Westernhelden, steht im Widerspruch zur ständigen Bewegung der Figuren Richtung Süden, der Fahrt durch wunderbar gefilmte südfranzösische Landschaft. Ein klassisches Roadmovie. Und auch eine gelungen Amalgamierung französischer und amerikanischer Filmtradition. [Read more]
Berlinale | „The Kids Are All Right“
February 19, 2010

Ich habe mich in den letzten Jahren immer mal wieder gefragt, was aus Lisa Cholodenko geworden ist. Seit ihrem letzten Film, dem genialen „Laurel Canyon“, sind mittlerweile sieben Jahre vergangen. Und nun stand sie plötzlich auf der Liste der Wettbewerbsfilme der diesjährigen Berlinale. Außerdem war zu hören, dass der Film beim Sundance Festival für euphorische Reaktionen gesorgt hat. Hohe Erwartungen also: Sie wurden nicht enttäuscht! [Read more]
Berlinale | „I’m Here“
February 19, 2010

Eine der beliebtesten Metaphern für die Trostlosigkeit und Melancholie des Alltags ist der Blick aus dem Fenster eines fahrenden Busses zum Beispiel. Doch anders als in unserer Welt sitzt in Spike Jonzes Kurzfilm „I’m Here – A Lovestory in an Absolut World“ ein Roboter dort – mit einem Kopf, der aussieht wie der Rechner eines alten PCs – und guckt aus großen blauen Augen traurig auf die vorbeirauschenden Straßenszenen. [Read more]
Berlinale | Running Men
February 18, 2010

Es gibt ganz klar zwei Trends auf der diesjährigen Berlinale auszumachen: Erstens ein sehr starkes amerikanisches Independent-Kino. Mit „Putty Hill“ von Matt Porterfield und „Winter’s Bone“ von Debra Granik schwergewichtig und ernst im Forum, „Greenberg“ von Noah Baumbach und vor allem mit „The Kids Are All Right“ von Lisa Cholodenko leichtfüßig, hochintelligent und komisch im Wettbewerb. Drei uneingeschränkte Empfehlungen. [Read more]
Berlinale | „L’arbre et la forêt“
February 17, 2010

„Word Is Out“ von Rob Epstein und der Mariposa Film Group erzählt viel darüber, wie Schwule und Lesben heterosexuelle Beziehungen eingingen, bevor sie sich zu ihrer Sexualität offen bekennen konnten. Um der Repression zu entgehen, damit die Familie Ruhe gibt oder um sich selber vorzumachen, dass sie „normal“ seien. Beziehungen, die meist für alle Beteiligten eine Quälerei waren, auch für die heterosexuellen Partner, die oft gar nicht um die Wahrung Neigungen ihres wussten, und natürlich für die Kinder, die aus ihnen hervorgingen. [Read more]
Berlinale | Die Fremde
February 16, 2010

Bereits vor der Berlinale gab es für die Presse die Möglichkeit, den neuen Film „Die Fremde“ mit Sibel Kekilli („Gegen die Wand“, „Kebab Connection“) in der Hauptrolle zu sehen. Das Regiedebut von Feo Aladag behandelt das heikle Thema Ehrenmord in einer deutsch-türkischen Familie. Wie anrührend und herzzerreißend ihr die filmische Umsetzung gelang, bewiesen nicht zuletzt die abgebrüht kritischen Kollegen im Kinosaal, die nach anderthalb Stunden heimlich die Taschentücher hervorkramten, spätestens aber am Ende des Films einstimmig schluchzten. [Read more]

