MARINA & THE DIAMONDS | Family Jewels
Mai 7, 2010

Marina Lambrini Diamandis stellt genau die Fragen, die man eigentlich nicht gefragt werden will. „Are you satisfied with an average life? Do I need to lie to make my way in life. Are you satisfied with an easy ride? Once you cross the line, will you be satisfied?“ Da wir alle natürlich ein absolut überdurchschnittliches und voll zufriedenes Leben führen, notieren wir entspannt, dass es sich wohl um eine Selbstbefragung der 24-Jährigen Gräkobritin handeln muss, schenken uns satisfiktiv ein Glas „Shampain“ ein, hören Dauerschleife und sprechen einen Toast aus – auf Marina, die das Pop-Album des Jahres geliefert hat, so far. [Read more]
DAKOTA DAYS | Dakota Days
April 23, 2010

Im Video zur 2003er Single „Slow“ räkelt sich Kylie Minogue auf der Sonnenterrasse eines Freibads zwischen gut eingeölten Schönen und Schönen, versucht sich in der Vermeidung der dritten Todsünde und übt sich übersprungshandelnd im Horizontaltanz. Das könnte Ronald Lippok und Alberto Fabris nicht passieren. Dafür sind sie viel zu entspannt. So dermaßen relaxiert über-slow covern sie Kylies Hormonstauung – und eröffnen damit das Debutalbum ihres neuen Projekt „Dakota Days“. [Read more]
FRIGHTENED RABBIT
März 5, 2010

Nach einem harten Winter folgt der schönste Sommer – ein Allgemeinplatz auf dem man sich auf „The Winter of Mixed Drinks“, dem dritten Album von FRIGHTENED RABBIT, wiederfindet. Harte Zeiten, harte Drinks und schlechtes Wetter: Bei uns kommt Rum in den Tee oder der Wein auf den Herd, drüben im feucht-kühlen Schottland helfen Scotch und Whisky-Longdrinks gegen frostige Finger und trübe Gedanken. [Read more]
Two Door Cinema Club | Tourist History
Februar 19, 2010

Nach all den Jahren Popmusikgeschichte ist der Spielraum für klang- und sinnvolle Namen irgendwann ausgereizt – Two Door Cinema Club ist so ein Beispiel für einen grenzwertigen Namen. Viele würden das – vor allem im Zusammenhang mit ihren Songs, als ein weiteres Zeichen für das Ende des originalen Pop deuten.
Doch warum so fatalistisch, so ernsthaft? Pop soll Spaß machen, nicht zu einer Fleißaufgabe werden. In dieser Hinsicht machen Two Door Cinema Club auf ihrem schwindelerregenden 33-Minuten-Debüt „Tourist History“ alles richtig. [Read more]
THE SOFT PACK | The Soft Pack
Februar 16, 2010

Nicht ganz zu Ende gedacht hatten San Diegos Vierer The Soft Pack die ursprüngliche Namenswahl. Politisch unkorrekt, „lustig“, ignorant – eben „punk“ – fanden sie 2007 als The Muslims zusammen. Wie unüberlegt der irreführende Name war, bekamen sie nach dem Hype um ihre ersten Singles, etwa ein Jahr später in Form von rassistischen Anfeindungen zu spüren und gönnten sich zum Albumrelease den nicht minder provokativen, neuen Namen The Soft Pack (Bezeichnung für den Dummy eines erschlafften Penis’ für die Unterhose jedes Penislosen). Ob das einer intensiveren Überlegung geschuldet ist, darf angezweifelt werden: das selbstbetitelte Debütalbum legt eher eine eigene Schnellschuss-Logik nahe. [Read more]
Delphic | Bang Bang Club
Februar 10, 2010

Streber. Nur Streber mit Liebe zu schwerverdaulicher Philosophie und einem Faible für das antike Griechenland würden ernsthaft versuchen das Klangideal Nietzsches umzusetzen.
Zur Erläuterung: Nietzsche hatte, aufbauend auf klassischer Mythologie in seiner „Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik“ eine Idealform der Musik charakterisiert. Sie sollte Balance finden zwischen ihren apollinischen und dionysischen Kräften, zwischen Traum und Rausch, Ordnung und Chaos, Ratio und Gefühl, Rhythmus und Melodie.
Delphic, benannt nach dem einzigen Ort an dem das Gleichgewicht der beiden Söhne Zeus’ möglich war, dem Orakel von Delphi, haben sich genau diesem Klangideal verschrieben – nicht nur im Studio, auch live. [Read more]
FOUR TET | There is Love in You
Januar 29, 2010

Wäre die Liebe in jedem Fall so zaghaft und zerbrechlich wie es Four Tet mit seinem neuen Album ”There is Love in You” proklamiert, wäre die Menschheit inzwischen in asexueller Schönheit verreckt. Seltsam altmodisch raschelt das Album von Deepness zu Deeperness, einem ambienten House-Universum verpflichtet, das irgendwo zwischen Analogue Bubblebath, Steve Reich und ibizenkischen Sonnenaufgangs-fantasien die Herzwärme befeuert, nicht unbedingt kitschig, nein, aber beseelt – das melancholisch Frohe, das Kieran Hebden auf all seinen Produktionen vor sich herträgt, wie ein weises, kuscheliges Pelztier. [Read more]
Turner jetzt PAWEL
Januar 27, 2010

Mit Paul Kominek ist es wie mit Matroschkas – jenen bunt bemalten, ineinander schachtelbaren, freundlich rotbackig lächelnden Holzpuppen aus Russland, die sich als unentbehrliches Moskau-Souvenir seit Jahrzehnten großer Beliebtheit erfreuen: Mit jeder Stufe, der man sich dem Kern nähert, offenbart sich ein neues, in den groben Zügen zwar seinem Vorgänger gleichendes Antlitz, in dessen filigranen Einzelheiten man bei genauem Hinsehen – oder eben Hinhören – jedoch unzählige Unterschiede und Neuheiten entdeckt. [Read more]
TOCOTRONIC | Schall und Wahn
Januar 25, 2010

„Nieder mit den Umständen!“ hat Old Nobody Jochen Distelmeyer schon vor Jahren gefordert. Old Anybody Dirk von Lowtzow nimmt den Faden auf und strickt uns einen wärmenden Pulli draus. Der schützt zwar weder vor Schall noch vor Wahn, aber vor den Eiswinden des Kapitalismus. Dass sei jetzt bitte bitte nicht politisch, sondern na klar nur ästhetisch verstanden. „Im Zweifel für den Zweifel, für den Zauder und den Zorn.“ [Read more]
GET WELL SOON | Vexations
Januar 20, 2010

Das namentliche Versprechen hinter Konstantin Gropper alias „Get Well Soon“ bleibt auch auf seinem zweiten Album „Vexations“ eine eher unerfüllte Prophezeiung, keine baldige Genesung in Aussicht! Dafür verrät der Albumtitel schon mehr: Qual, Ärger, ein Ausdruck für „die menschliche Reibung an der Welt“ und eine Widmung an den Stoizismus, randvoll mit philosophischem Output. [Read more]



